Seit den Besetzungen der Universitäten Jena und Erfurt sind nun knapp zwei Jahre vergangen. Damals waren die jährlichen Studienproteste, die sich anfangs nur gegen Studiengebühren richteten, komplexer geworden, da nun auch die Finanzierung der Hochschulen und die Studienbedingungen kritisch angesehen wurden. Doch sind tatsächlich schon Verbesserungen eingetreten? Lohnt es sich noch zu protestieren?

Wir denken ja, aber unter anderen spezifischeren Zielen. Der Unilandschaft in Thüringen geht es nicht gut. Das Thüringer Universitätsfinanzierungssystem Lubom hat die Unis ausgezehrt und gegeneinander aufgebracht. Die Mittelverteilung wurde auf Drittmittelerwerb ausgerichtet und intransparent gemacht. Die sonstigen Zuschüsse der Unis und des Thüringer Studentenwerkes wurden zurückgefahren. Die Konsequenz waren Streichungen in der Personaldecke und in den Renovierungsplänen der Universitäten.

Durch die Einführung des neuen Hochschulgesetzes 2006 wurde ein neues intransparentes und unifernes Unileitungssystem eingeführt. Seit dieser Zeit regieren an Thüringer Universitäten nämlich die Hochschulräte und nicht mehr die Senate. Die Zusammensetzung dieser Räte ist nach den Wünschen der Politik zu mindestens Zweidrittel mit externen Personen aus Politik und Wirtschaft zu besetzen. Studenten haben keine Mitbestimmung und Informationen dürfen offiziell nicht von den Sitzungen nach außen getragen werden. Man könnte auch sagen, hier hat eine Entdemokratisierung der Hochschulen stattgefunden.

Schaut man in den Ausbildungsbereich, wurde das Bachelor-Master System aus den USA und Großbritannien zusammenkopiert und auf das deutsche System angepasst. Die Folge sind deutschlandweit, ja sogar schon thüringenweit, unterschiedliche Anzahlen von Leistungspunkten in den Studiengängen, ständig neu angepasste und neu akkreditierte Studienordnungen sowie Abschlüsse, die nicht nur international sondern sogar schon innerhalb Deutschlands nicht überall gültig und anerkannt sind. Die schlimmste Folge aber war wohl das Einführen von NCs für MA-Studiengänge und damit das konsequente Zunichtemachen der Studienvorstellungen vieler Studenten.

Schlimm sieht es auch in der Lehrerausbildung aus, wo zu wenig praktisch orientierte, erziehungswissenschaftliche Seminare angeboten werden. Pädagogisches Erfahrungswissen von Lehrkräften aus dem Schuldienst bekommen die Studenten so nur sehr wenig und jedes hinzukommende Praktikum innerhalb des Studiums droht später eins zu eins wieder von der Referendariatszeit gestrichen zu werden. Noch dazu gibt es die Problematik, dass die Aufnahme durch NC-Verfahren, statt durch die Verwendung sinnvoller Eignungstests, durchgeführt wird.

Diese Punkte werden leider in den Studienprotesten nur indirekt angesprochen. Stattdessen werden zu viele oberflächliche Themen propagiert und studienferne Themen mit den Protesten vermischt. Wir als Piraten HSG Jena und Piraten HSG Erfurt unterstützen einen Bildungsprotest, der sich um spezifische Themen kümmert und sich nicht von zu vielen Fremdthemen okkupieren lässt. Also lasst uns protestieren:

  • Für eine Änderung des BA-MA Systems in Thüringen
  • Für die Abschaffung von Lubom und ein neues gerechtes Finanzierungssystem für die Hochschulen
  • Für mehr studentische Beteiligung in universitären Gremien
  • Für eine Abschaffung der Hochschulräte in Thüringen und eine Änderung des Thüringer Hochschulgesetzes sowie das Festschreiben echter Eigenständigkeit von Hochschulen und deren interner, demokratischer Strukturen
  • Für ein Verbot von Studiengebühren und dessen Festsetzung in der Verfassung des Landes Thüringen
  • Für eine elternunabhängige Ausbildungsfinanzierung, die verhindert, dass Studenten und andere Auszubildende regelmäßig weit unter das Einkommensniveau sinken, das allen anderen gemeinhin garantiert wird

Für einen solchen Bildungsstreik, der wirklich Änderung hervorbringt,
Eure Piraten HSG Jena/Piraten HSG Erfurt